Mittelhessen festigt seine Position als einer der dynamischsten Forschungs- und Wirtschaftsstandorte Deutschlands. Spitzenforschung ist weit mehr als reine Erkenntnisgewinnung: Sie ist das Fundament für die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit unserer Region. Durch die enge Verzahnung von Wissenschaft und Anwendung werden in Marburg und Gießen die Lösungen für die globalen Herausforderungen in der Digitalisierung und Medizin entwickelt. Aktuelle Förderzusagen von insgesamt rund 3,7 Millionen Euro unterstreichen die internationale Strahlkraft unserer Universitätsstandorte und schaffen ein innovationsfreundliches Umfeld, das hochqualifizierte Fachkräfte bindet und die technologische Souveränität Europas stärkt.
Quantensprung in der IT-Infrastruktur: Halbleiter-Laser aus Marburg
Ein neues internationales Forschungskooperationsprojekt namens GIMLi (Gent-imec-Marburg: Light) setzt neue Maßstäbe in der Halbleitertechnologie. Mit einem Budget von insgesamt rund 1,8 Millionen Euro arbeiten die Philipps-Universität Marburg, die Universität Gent und das renommierte Forschungszentrum imec (Belgien) an der Entwicklung neuartiger Halbleiterlaser auf Siliziumbasis.
Die technologische Relevanz für den Standort:
·Effiziente Datenübertragung: Im Fokus stehen winzige Laser, die Licht mit einer Wellenlänge von 1300 Nanometern aussenden. Diese sind auch ideal für die schnelle und verlustarme Datenübertragung in Glasfasern.
·Industrielle Skalierbarkeit: Ziel ist ein vollständig CMOS-kompatibler Laser, der direkt in moderne Silizium-Photonik integriert werden kann. Dies ermöglicht eine kostengünstige Massenproduktion auf industriestandardisierten 300-Millimeter-Siliziumscheiben.
·Regionale Stärkung: Das Projekt wird am neu gegründeten Zentrum mar.quest (Marburg Center for Quantum Materials and Sustainable Technologies) durchgeführt und stärkt den universitären Profilbereich „Materialien, Grenzflächen, Halbleiter“ sowie die Wettbewerbsfähigkeit ansässiger Unternehmen.
Exzellenz in der Medizin: 1,9 Millionen Euro für die Gesundheitsregion
Die Von Behring-Röntgen-Stiftung fördert in ihrer aktuellen Runde acht innovative Forschungsprojekte an der Philipps-Universität Marburg und der Justus-Liebig-Universität Gießen mit insgesamt rund 1,9 Millionen Euro. Diese Investition in die medizinische Spitzenforschung sichert langfristig die Qualität der Gesundheitsversorgung und die Innovationskraft der regionalen Life-Science-Branche.
Übersicht über die geförderten Projekte im Detail:
·Makrophagen als Treiber des Lungenkrebses (Marburg / Gießen): Prof. Dr. Rajkumar Savai (Gießen) und Prof. Dr. Jörg-Walter Bartsch (Marburg) untersuchen das Enzym ADAM8 in Immunzellen. Ziel: Die Evaluierung von ADAM8 als diagnostischer Marker und möglicher therapeutischer Angriffspunkt bei Lungenkrebs.
·Energiestoffwechsel von Immunzellen im Lungenkrebs (Gießen): Dr. Annika Karger analysiert die Stoffwechselprozesse von Makrophagen im Tumorgewebe. Ziel: Immunzellen gezielt so zu beeinflussen, dass sie Tumore wieder wirksamer bekämpfen können.
·Epigenetische Regulation bei Leukämie (Gießen): Dr. Francesca Ferrante erforscht die Auswirkungen eines epigenetischen Regulators auf die Blutkrebsentwicklung. Ziel: Zu prüfen, ob neue Wirkstoffe die Wirksamkeit bestehender Chemotherapien verbessern können.
·Funktionelle Analyse von TP53-Mutationen (Marburg): Dr. Julianne Funk analysiert systematisch tausende Varianten des Tumorsuppressorgens TP53. Ziel: Genetische Veränderungen besser zu interpretieren und personalisierte Behandlungsstrategien zu ermöglichen.
·Genetische Ursachen des plötzlichen Herztods (Marburg / Gießen): Ein Team um Prof. Dr. Niels Decher (Marburg) und Partner in Gießen und Würzburg untersucht genetische Veränderungen in Ionenkanälen. Ziel: Identifikation von Risikofaktoren für eine verbesserte Vorsorge sowie neue diagnostische und therapeutische Ansatzpunkte.
·Mechanismen der Nipah-Virus-Infektion im Gehirn (Marburg): Dr. Alexandra Kupke erforscht, wie das Virus in das Gehirn eindringt und die Immunantwort beeinflusst. Ziel: Die Identifizierung neuer Ansatzpunkte für antivirale Therapien mithilfe moderner Zellmodelle.
·Wechselwirkungen von Hepatitis B und Fettlebererkrankung (Marburg / Gießen): Prof. Dr. Elke Roeb (Gießen) und Prof. Dr. Alexander Visekruna (Marburg) untersuchen das Zusammenwirken von Entzündung und Stoffwechsel. Ziel: Die Identifikation molekularer Signalwege für zukünftige Therapieansätze gegen Leberkrebs.
·Frühgeburt und langfristige Lungenschäden (Marburg / Gießen): Dr. Maria Camila Melo-Narvaez (Marburg) und Dr. Dharmesh Hirani (Gießen) untersuchen die Auswirkungen von Sauerstoffgabe auf die Lungenentwicklung. Ziel: Ein besseres Verständnis von Risikofaktoren, um daraus präventive Behandlungsstrategien für Frühgeborene abzuleiten.
Ein Standort mit Strahlkraft und Substanz
Die gleichzeitige Förderung in den Bereichen Halbleitertechnologie und Spitzenmedizin zeigt die Breite der mittelhessischen Forschungslandschaft. Diese Erfolge sind ein entscheidender Standortfaktor und bilden die Brücke von der Grundlagenforschung zur industriellen Anwendung und stärken somit die technologische Souveränität direkt aus unserer Region. Durch die Unterstützung von Spitzenforschung wird die wirtschaftliche Stabilität und die Innovationskraft Mittelhessens langfristig gesichert.