Ein StudiumPlus-Student, eine Beobachtung am Küchentisch – und eine Einladung von Apple
Im Herzen des Apple-Universums in Cupertino, Kalifornien, wo sonst nur die Besten der Welt eingeladen werden, steht ein 22-jähriger Student aus dem hessischen Bad Vilbel – und erklärt Apple-Ingenieuren, wie ihre eigene Technologie noch besser genutzt werden kann. Anton Baranov, Student im dualen Bachelor-Studiengang Softwaretechnologie bei StudiumPlus, gehört zu den weltweit nur 50 „Distinguished Winners“ der Swift Student Challenge 2026. Eine Geschichte, die nicht im Silicon Valley begann, sondern am Küchentisch.
Wir haben uns mit Anton getroffen, um ihm ein paar Fragen zu seiner Person und seinem Werdegang zu stellen:
Hallo Anton, stelle dich und deinen Werdegang bitte einmal kurz vor.
Gude, ich bin Anton Baranov, studiere Softwaretechnologie im Dualen Studium an der THM, StudiumPlus. Seit ein paar Jahren entwickle ich intensiv Apps für Apple-Plattformen.
Mein Highlight dieses Jahr war die Apple Swift Student Challenge: Dort wurde ich für meine App «pitch coach: sicher auftreten» als einer der weltweiten Distinguished Winner ausgezeichnet und durfte Deutschland, meine Hochschule (die THM) sowie die Region Mittelhessen direkt im Apple Park in Kalifornien vertreten.
Anton, du hast schon mit 16 Jahren deine erste App programmiert und wenig später den Samsung Cup gewonnen. Wann hattest du das erste Mal Kontakt mit den Bereichen MINT- und Tech und wie hast du in dieser Phase Zugang dazu gefunden?
Das war 2020, noch als Schüler, als ich 16 war. Mein Einstieg war damals die IT School Samsung. Parallel dazu habe ich meine erste eigene App gebaut: Sie hat per Machine Learning Münzen auf Fotos erkannt, ihren Wert geschätzt und an einen Marktplatz für Numismatiker angebunden. Damit habe ich damals den regionalen Wettbewerb gewonnen und die App danach Stück für Stück für lokale Sammlermärkte weiterentwickelt.
Welche Unterstützung hast du damals erhalten, die dir deutlich weitergeholfen hat?
Am meisten geholfen hat mir damals mein Lehrer. Er hat an mich geglaubt und mir gezeigt, worauf es ankommt. Heute im Studium und Beruf geht das im Grunde genauso weiter: Ich habe das Glück, mit erfahrenen Kollegen zu arbeiten, von denen ich jeden Tag lerne.
Egal ob beim Code-Review oder beim Brainstorming, ein Team zu haben, das Feedback gibt und sein Wissen teilt, ist durch nichts zu ersetzen. Ich schätze diesen ganzen Weg: Er macht mich zu dem, der ich heute bin, und bringt mich jeden Tag weiter.
Was war rückblickend für dich der entscheidende Moment, der aus einem reinen Interesse eine echte Leidenschaft fürs Programmieren gemacht und schlussendlich zur Idee für die App geführt hat?
Der Umschwung kam mit einer einfachen Erkenntnis: Am besten löst man Probleme, die man selbst kennt. Denn Fachwissen zu haben ist das eine – seinen Wert auch klar zu kommunizieren, etwas völlig anderes.
Das habe ich schon mit 16 bei meinem allerersten Entwickler-Interview gemerkt, wo ich mein Können überhaupt nicht rüberbringen konnte. Jahre später saß ich mit der Familie am Esstisch: Meine Mutter erzählte als Uni-Professorin, dass selbst ihre talentiertesten Studenten beim Präsentieren plötzlich die Stimme, das Selbstbewusstsein und komplett ihren roten Faden verlieren. Da hat es Klick gemacht. Ich wollte ein Tool bauen, das genau dieses Problem löst.
Daraus entstand pitch coach, der Gewinn bei der Apple Swift Student Challenge, die Chance, das Projekt Tim Cook, John Ternus und dem Apple-Management während der WWDC26 in Kalifornien persönlich vorzustellen, und heute über 72.300 Nutzer weltweit in der App.
Welche Unterstützung hast du während der App-Entwicklung erfahren und welche hättest du dir zur damaligen Zeit gewünscht?
Das duale Studium hat mir ein solides Fundament gegeben: An der THM die Theorie, im Betrieb die praktische Entwicklung. Der Feinschliff für die App kam dann durch eigene CustDev-Interviews, Nutzer-Testing und den direkten Austausch mit Kollegen und Freunden. Das Zusammenspiel aus Hochschule, Praxis und Community hat für mich gut funktioniert.
Tim Cook und John Ternus waren von deinem Pitch in Kalifornien begeistert. Welches direkte Feedback der Apple-Führung hat dich am meisten darin bestärkt, deine Vision genauso weiterzuverfolgen und was ist der nächste große Schritt für dich und deine App Pitch-Coach?
Tim Cook und John Ternus haben sich viel Zeit für mich und meine Demo genommen. Dass ihnen das Konzept und die Umsetzung so gut gefallen haben, war eine Bestätigung, denn am Ende ist wirklich das ganze Leben ein großer Pitch: Egal ob man die Eltern um einen Hund bittet, ein Referat in der Schule hält, im Bewerbungsgespräch sitzt, vor Investoren um Millionen Euro pitcht oder einen Heiratsantrag macht. Zu sehen, dass diese Idee und Umsetzung auch bei der Apple-Führung so gut angekommen ist, hat mich bestärkt.
Der nächste Schritt: Ich halte pitch coach bewusst weiterhin kostenlos. Technologisch gehe ich weiter mit lokalen KI-Modellen direkt für Benutzer auf dem Gerät, unter Einbindung von Apple Intelligence usw. Das bedeutet: neue Features – darunter spezifische Trainingsmodi für verschiedene Lebenslagen und eine noch tiefere Sprach- und Videoanalyse + keine Daten das Handy verlassen. Gleichzeitig treibe ich die virale Skalierung auf internationale Märkte voran. Einfach ein intelligenter, vollkommen privater Pitch Begleiter, der Menschen weltweit hilft, ihren Wert selbstbewusst rüberzubringen.
Viele Kinder und Jugendliche in Mittelhessen interessieren sich für Technik, wissen aber nicht, wo sie anfangen sollen. Was gibst Du ihnen mit auf den Weg und was wünschst Du Dir von der Region, damit mehr junge Menschen den Weg gehen können, den Du gegangen bist?
An Jugendliche: Nicht auf den perfekten Lehrplan oder das richtige Studium warten, sondern einfach anfangen zu bauen. Such dir ein kleines Problem aus deinem Alltag und programmiere eine Lösung dafür. Die Tools dafür sind alle da – du musst auf keine Erlaubnis warten.
An die Region: Wir haben hier in Mittelhessen, in ganz Hessen und deutschlandweit mit der starken Wirtschaft und Tech-Szene ein fantastisches Fundament. Ich wünsche mir, dass wir Jugendlichen noch mehr Raum geben, direkt ins Machen zu kommen: Mit Hackathons, Workshops und echtem Kontakt zu Entwicklern/Industrie. Wer einmal spürt, wie genial es ist, aus einer eigenen Idee ein funktionierendes Produkt zu bauen, hört nie wieder damit auf. Das Potenzial hier ist riesig.
Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast.
Es war Antons Mutter, die den entscheidenden Anstoß gab. Als Dozentin an einer Hochschule beobachtete sie seit Jahren dasselbe Problem: Ihre Studierenden wissen viel – aber sobald sie vor anderen sprechen sollen, verlassen sie ihre Stärken. Anton kannte das selbst. Aus der Schule, aus dem Studium, aus all den Momenten, in denen eine gute Idee an einer schlechten Präsentation scheitert.
Die Lösung heißt „pitch coach„: ein KI-gestützter Präsentationstrainer, der in Echtzeit analysiert, coacht und korrigiert – per iPhone und AirPods, vollständig auf dem Gerät, ohne Cloud, ohne dass persönliche Daten das Smartphone verlassen. Was die App besonders macht: Sie nutzt den Bewegungssensor, der bereits in jedem AirPod verbaut ist, für etwas völlig Neues – Echtzeit-Feedback zur Körperhaltung während einer Präsentation. Kombiniert mit Apple Intelligence, einer KI-Technologie, die erst 2025 vorgestellt wurde, gehörte Anton damit zu den ersten Entwicklern weltweit, die diese Funktion in eine echte Anwendung integrierten. Dass die App funktioniert, zeigen die Zahlen: Mehr als 65.000 Downloads hat „pitch coach“ bereits – und der Zähler läuft.
Was heute nach einem geradlinigen Erfolg klingt, beginnt 2022 in Jekaterinburg, einer Millionenstadt im Ural. Anton absolviert dort das deutsche Abitur an einer Deutschen Auslandsschule, zieht dann nach Deutschland, durchläuft das Studienkolleg – und wählt bewusst das duale Studium bei StudiumPlus. „Ich bin froh, dass ich mich für ein duales Studium mit der Kombination aus Theorie und Praxis entschieden habe“, sagt er. Programmieren ist da längst kein Hobby mehr: Mit 16 hat er seine erste App entwickelt, 2021 gewann er bereits den Samsung Cup.
Für sein Partnerunternehmen entwickelt er seither an iOS-Apps mit. „Dort wurde ich sehr familiär aufgenommen. Alle aus meinem Team sind stolz auf mich“, sagt Anton. „pitch coach“ entstand komplett in seiner Freizeit – Anton nahm sich sogar Urlaub, um konzentriert programmieren zu können.
Der Apple Campus ist größer als erwartet. „Er sieht im Fernsehen viel kleiner aus“, sagt Anton. Eine Minute vor seiner Präsentation erfährt er, dass Apple-Chef Tim Cook persönlich anwesend sein wird – gemeinsam mit seinem Nachfolger John Ternus. Eine Information, die andere vielleicht aus der Bahn geworfen hätte. „Natürlich war es ein bisschen aufregend“, sagt er, „aber ich wusste ja: Ich bin von meiner App überzeugt.“ Er präsentiert. Cook ist begeistert.

Was ihn in Cupertino mindestens genauso bewegt wie die Begegnung mit der Apple-Spitze: die anderen 49 Gewinner. Entwicklerinnen und Entwickler aus Brasilien, Thailand, aus aller Welt – Menschen, die alle dieselbe Leidenschaft mitbringen. „Es war ein tolles Gefühl, so viele junge Entwickler aus der ganzen Welt kennenzulernen“, schwärmt Anton. „Wir haben uns vernetzt und unterstützen uns auch jetzt gegenseitig bei der Entwicklung unserer Apps – vielleicht entwickeln wir irgendwann gemeinsam eine App.“ Aus einem Wettbewerb ist ein Netzwerk geworden.
Anton arbeitet weiter. Er holt Nutzerfeedback ein, passt die App an verschiedene Kulturen und Präsentationsstile an – denn wie man überzeugend vorträgt, ist in Japan anders als in Brasilien oder Deutschland. Als nächstes plant er Gesture Tracking: Die App soll künftig auch Handbewegungen und Gestik analysieren und so zum ganzheitlichen Präsentationscoach werden.
Den größten Umbruch sieht er aber woanders. Smart Glasses – Brillen, die Augmented Reality mit Künstlicher Intelligenz verbinden – werden nach seiner Überzeugung die Art verändern, wie Menschen lernen, präsentieren und miteinander kommunizieren. „Ich möchte weiterhin modernste Technik am Puls der Zeit einsetzen, um das Leben von Menschen zu verbessern“, erläutert Anton.
Und er will mehr als das: Mit seiner Teilnahme an der Swift Student Challenge möchte er andere Studierende ermutigen, es ihm gleichzutun. „Beteiligt euch“, lautet seine Botschaft – an alle, die eine Idee haben und noch zögern, sie in die Welt zu bringen. Von Jekaterinburg nach Cupertino in vier Jahren. „In fünf Jahren werde ich zurückschauen und denken: Das war der Anfang von etwas Großem.“
Startup-Weekend-Mittelhessen
Auch wir beim Regionalmanagement Mittelhessen unterstützen Menschen wie Anton dabei, Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen. Für genau diese Zielgruppe veranstalten wir einmal jährlich das „Startup-Weekend-Mittelhessen“. Das Startup Weekend ist ein 3-tägiger Intensiv-Workshop, bei dem man in nur 54 Stunden aus einer Idee ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickelt. Interessierte können am Freitagabend mit einer Idee auftauchen und haben bis zum Jury-Pitch am Sonntag die Möglichkeit, ihre Geschäftsidee mit Hilfe von erfahrenen Mentoren aus der Startup-Szene und erfolgreichen Gründern auszuarbeiten.
Weitere Informationen zum Startup-Weekend-Mittelhessen sind hier zu finden. Weitere Informationen zu Startup-Förderangeboten in Mittelhessen gibt es unter: https://www.foundershub-mittelhessen.de/