Als einziger deutscher Landkreis präsentierte der Landkreis Gießen auf dem World Urban Forum der Vereinten Nationen in Baku lokale Lösungsansätze für globale Herausforderungen.
Von interkommunalem Wohnungsbau bis hin zu internationalen Klimapartnerschaften – der Auftritt zeigt: Tragfähige Zukunftsmodelle entstehen im ländlich geprägten Raum. Ein analytischer Blick auf einen bemerkenswerten internationalen Exkurs.
Wenn die Vereinten Nationen zum World Urban Forum (WUF) rufen, debattieren in der Regel Regierungsvertreter, internationale Großkonzerne und Metropolen über die Zukunft des globalen Zusammenlebens. Dass in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku neben großen Städten wie Berlin, Bonn und Dortmund ausgerechnet der Landkreis Gießen am Verhandlungstisch saß, ist ein starkes Signal – nicht nur für den Landkreis selbst, sondern für die gesamte Wirtschaftsregion Mittelhessen.
Auf ausdrückliche Einladung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) demonstrierte die mittelhessische Delegation als einziger Landkreis Deutschlands, wie Daseinsvorsorge und nachhaltige Regionalentwicklung abseits der Millionenstädte in der Praxis funktionieren.
Wohnraum als Fundament für wirtschaftliche Stabilität
Die Kernfragen der Konferenz spiegeln exakt die strukturellen Herausforderungen wider, vor denen auch die heimische Wirtschaft steht: Wie lässt sich dem Bevölkerungswachstum begegnen? Wie bleibt Wohnraum bezahlbar und wie wappnen sich Kommunen gegen den Klimawandel?
Für den Wirtschaftsstandort Mittelhessen ist bezahlbarer und klug konzipierter Wohnraum längst zu einem harten Standortfaktor im Ringen um Fachkräfte geworden. Landrätin Anita Schneider brachte dies in Baku präzise auf den Punkt: „Kommunen kommt gerade im ländlichen Raum eine Schlüsselrolle bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum zu. Dabei ist die Versorgung mit passendem Wohnraum ein wichtiger Teil der Daseinsvorsorge.“ Eine funktionierende Wohnraumentwicklung sei elementar für Teilhabe, Chancengleichheit und letztlich für den Aufbau einer zukunftsfähigen Infrastruktur.
Diese Haltung deckt sich mit den Analysen, die das Regionalmanagement Mittelhessen gemeinsam mit seinen Gesellschaftern zuletzt auf der Immobilienmesse EXPO Real herausgearbeitet hat. Dort wurde deutlich: Eine herausfordernde Marktlage erfordert stabile Netzwerke und technologische Offenheit. Ansätze wie der von der THM Gießen propagierte „6D-Ansatz“, der den Faktor Bau um Zeit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit erweitert, zeigen, wohin die Reise geht.
Best Practice für kooperatives Bauen: Die SWS GmbH
Dass Mittelhessen nicht nur in der wissenschaftlichen Theorie, sondern auch in der baulichen Umsetzung liefert, bewies auf dem UN-Gipfel die SWS (Sozialer Wohnungsbau und Strukturförderung im Landkreis Gießen) GmbH. Negar Jahadi, Geschäftsführerin der SWS, begleitete die Landrätin nach Baku und präsentierte die Gesellschaft als funktionierendes, interkommunales Erfolgsmodell.

Seit fast zehn Jahren bündelt die SWS die Expertise von 17 Städten und Gemeinden sowie dem Landkreis Gießen. Sie unterstützt Bauträger und Genossenschaften gezielt bei der Realisierung bezahlbarer Wohn- und Quartierskonzepte – rund 200 Wohneinheiten sind auf diesem Weg bereits entstanden. Auf einer globalen Bühne, auf der oft über theoretische Frameworks debattiert wird, liefert dieses Modell einen handfesten Beweis: Interkommunale Kooperation beschleunigt Prozesse und senkt bürokratische Hürden. Es ist ein kollaborativer Ansatz, der symptomatisch für das Motto des Regionalmanagements Mittelhessen steht: Wir verbinden, was Mittelhessen stark macht.
Klimaschutz und Solidarität: Lokale Expertise als globales Exportgut
Der Wissenstransfer aus Mittelhessen reicht jedoch weiter als bis zur regionalen Bauplanung. Im Rahmen des WUF wurden auch die internationalen Entwicklungspartnerschaften des Landkreises als Vorbild herangezogen. Seit 2020 unterhält Gießen eine Klima-Partnerschaft mit Mubende in Uganda. Daraus sind ganz konkrete Technologie- und Infrastrukturprojekte hervorgegangen, etwa der Aufbau einer solarbetriebenen Straßenbeleuchtung oder einer Bioabfallvergärungsanlage. Solche Projekte demonstrieren eindrucksvoll die technologische Lösungskompetenz, die in der Region – geprägt von hoher Industriedichte und Exzellenzforschung – verankert ist.
Darüber hinaus besteht seit 2023 eine enge Solidaritätspartnerschaft mit dem ukrainischen Rajon Tschernihiw. Hier leistet der Landkreis essenzielle Unterstützung beim Wiederaufbau der Daseinsvorsorge im Kriegsgebiet. Diese Engagements sind dabei keineswegs eine reine Hilfsleistung: Durch den internationalen Erfahrungsaustausch und kurze Umsetzungswege entstehen belastbare Kontakte, die direkt in das mittelhessische Ökosystem aus Schulen, Hochschulen und Unternehmen zurückfließen.
Fazit: Mittelhessen ist global anschlussfähig
Das World Urban Forum gilt als die wichtigste globale Konferenz für nachhaltige Stadtentwicklung. Dass der Landkreis Gießen hier stellvertretend für die kommunale Ebene Deutschlands auftritt, unterstreicht die strategische Positionierung der gesamten Region Mittelhessen.
Wenn der ländlich geprägte Raum derart innovative und erprobte Impulse auf das UN-Forum exportiert, beweist das: Mittelhessen hat die drängenden Transformationsfragen unserer Zeit verstanden und übersetzt sie in Blaupausen, die weltweite Beachtung finden. Für Investoren, Fachkräfte und Unternehmen ist dies ein weiterer Beleg dafür, dass die Region ein hochattraktives, international vernetztes Pflaster mit enormer Zukunftsfähigkeit ist.
Quelle: Pressemeldung des Landkreis Gießen