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TeamMit Tech-Talk: Augmented Reality? Virtual Reality? Mixed Reality? 3D Scan?

teammit Gepostet von teammit in TeamMit News 8 min. Lesezeit

Digitale Technologien wie AR, VR, Mixed Reality und 3D-Scanning eröffnen auch für mittelständische Unternehmen neue Möglichkeiten. Welche Anwendungen bereits heute sinnvoll eingesetzt werden können und worauf es bei der Umsetzung ankommt, erläutert Prof. Dr.-Ing. Rafael Greszczynski von der THM.

Herr Greszczynski, was bedeutet Digitalisierung im Mittelstand?

Digitalisierung hat unzählige Facetten. Wenn ich KMUs und Automobilzulieferer in Mittelhessen betrachte, sehe ich vor allem in der intelligenten Verbindung von Realität und Virtualität sinnvolle und wirtschaftliche Anwendungen.

Welche Einsatzmöglichkeiten meinen Sie?

Im Wesentlichen geht es darum, die reale Welt zu digitalisieren und darüber einen Prozess oder eine Tätigkeit einfacher, schneller oder sicherer zu machen. Zum Beispiel mit dem digitalen Zwilling einer Maschine: Wenn ich diesen erstellt habe, kann ich ihn nutzen, um ihn zu präsentieren, Mitarbeitende zu schulen oder Wartungen remote-unterstützt durchzuführen.

Hört sich spannend an, aber ist das nicht teuer?

Nein, das war es früher. Heute hat sich das deutlich geändert. Es gibt mittlerweile viele gute, leistungsfähige und günstige Lösungen. Eine VR-Brille können Sie schon für 300 € kaufen. Und eine industrietaugliche Software für Remote-Support beginnt bei 600 € pro Jahr und für Schulungen gibt es sogar gute Freeware- Lösungen. Zudem können Unternehmen für Beratung zum Thema Digitalisierung Zuschüsse beim RKW Hessen beantragen und sich so circa 30% der Kosten fördern lassen.

Warum zögern Unternehmen dennoch mit dem Einsatz?

Ich sehe vor allem drei Gründe: Weil viele aktuell begrenzte Budgets haben und gleichzeitig mögliche Fördermaßnahmen nicht kennen, weil sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht haben und weil ihnen der technische Überblick fehlt. An diesem Punkt setzen wir als Hochschule an und zeigen Interessierten, was es gibt und was sie damit machen können.

Sie meinen, Sie stellen konkrete Use Cases vor?

Ja. Wir hören uns ganz genau an, was das jeweilige Unternehmen macht und braucht und zeigen anschließend konkrete Use Cases auf. Beispielsweise, wie ein digitaler Zwilling die Konstruktion vereinfacht oder wie Anlagen mit einer VR-Brille besichtigt werden können, bevor sie gebaut werden. Natürlich präsentieren wir auch Remote-Schulungen für Mitarbeitende und Lösungen für remote-unterstützte Wartungen und Reparaturen. Unterschätzt wird auch die Wirkung im Recruiting. Eine VR-Brille am Stand ist auf einer Karrieremesse ein echter Magnet für junge Menschen und erleichtert den Gesprächseinstieg enorm.

„Wir geben einen Überblick über digitale Lösungen wie AR und VR und zeigen, was möglich ist. Technologieoffen und unabhängig von Herstellern.“

Wie unterstützen Sie Unternehmen konkret?

Sehr praxisnah. Wir zeigen bei uns vor Ort, welche Technologien und Anwendungen es gibt. Vieles lässt sich live ausprobieren. Dazu entwickeln wir konkrete Einsatzmöglichkeiten, die zu Unternehmen und deren Prozessen passen. Außerdem beraten wir zu Technologien, führen Benchmarks und Nutzwertanalysen durch. Nicht zu vergessen: Als Hochschule haben wir auch viele junge Talente, die wir als Praktikanten oder für Abschlussarbeiten vermitteln. Und: Wir zeigen einen Ausblick, also was demnächst auf den Markt kommt, ob sich Warten oder der sofortige Invest lohnt und so weiter.

Was haben Unternehmen von Studierenden, die Sie vermitteln?

Zunächst bekommen sie für kleines Geld top-ausgebildete Talente, die auf dem neuesten Stand der Technik sind. Dazu haben sie die Gewissheit, dass wir diese natürlich entsprechend betreuen – wir wollen ja, dass für alle etwas Gutes dabei herauskommt, zum Beispiel bei einer Projekt- oder Abschlussarbeit. Und wenn ein Unternehmen keine Studierenden für sich gewinnen kann, weil es vielleicht nicht im Einzugsgebiet einer Hochschule liegt, ist das auch kein Problem, denn es ist möglich, sein Thema an der THM zu platzieren und zum Beispiel eine Abschlussarbeit betreuen zu lassen.

Spielt KI bei AR- und VR-Projekten eine Rolle?

Ja, KI ist natürlich ein großes Thema bei AR- und VR-Anwendungen, weil diese ohne KI gar nicht funktionieren würden. Deshalb sind sie dort schon seit vielen Jahren fest integriert. Was die aktuelle KI-Welle betrifft, sehe ich noch keine gesonderte Dynamik, die die Anwendungen grundsätzlich verändert. Das wird sicherlich bald kommen und dann werden wir auch darüber berichten können.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Greszczynski.

Tech-Steckbrief

Technologien
– AR – Augmented Reality
– VR – Virtual Reality
– MR – Mixed Reality
– CR – Cinematic Reality (360° Videos)
– 3D-Scan

Anwendungen:
– Remote Support
– RE – Reverse Engineering
– 3D-Zwilling
– Digitalisierung von Bauteilen und Maschinen
– Verbesserung von Konstruktion und Entwicklung

Unternehmensbereiche:
– Entwicklung
– Produktion
– Vertrieb
– Qualitätssicherung
– Service

Zielgruppen:
– Automobilhersteller und Zulieferer
– Maschinen- und Anlagenbau
– Werkzeug- und Formenbau
– Kunststoffindustrie
– Luft- und Raumfahrtindustrie

Prof. Dr.-Ing. Rafael Greszczynski

Prof. Dr.-Ing. Rafael Greszczynski
beschäftigt sich an der THM mit Konstruktionssystematik, Technischer Mechanik und CAE. Er berät und unterstützt Unternehmen praxisnah zu Digitalisierungsfragen. Im TeamMit Tech-Talk gibt er einen Überblick über aktuelle Technologien, deren Einsatzmöglichkeiten und kommende Entwicklungen.

Neugierig?
Möchten Sie mehr über die Angebote der THM zum Thema Digitalisierung erfahren, dann wenden sich am besten direkt an

Prof. Dr. Rafael Greszczynski unter
Tel.: +49 641 309 3541
E-Mail: rafael.greszczynski@wi.thm.de