Für 1.321 Schülerinnen und Schüler in ganz Mittelhessen hieß es vom 26. bis 29. Mai: Jetzt MINTmachen! Fast 60 Angebote ermöglichten Einblicke in Naturwissenschaften, Technik und Berufswelten. Die MINTmit-Aktionstage haben zum zweiten Mal stattgefunden und wurden von der THM als Projektpartner des MINT-Clusters Mittelhessen (MINTmit) organisiert.
Statt Unterricht gab es für Schülerinnen und Schüler der 5. bis 10. Klassen an den vier Tagen Ende Mai das volle Programm MINT – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die mittelhessischen Hochschulen, außerschulische Bildungseinrichtungen und zahlreiche Unternehmen luden die Kinder und Jugendlichen zu knapp 60 Mitmachaktionen ein, um zu zeigen, dass Physik, Mathematik, Biologie oder Informatik nicht nur Unterrichtsfächer sind, sondern unseren Alltag beeinflussen.
Naturwissenschaften zum Anfassen
So bauten Jugendliche an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Gießen und Friedberg beispielsweise eigene USB-Solar-Ladegeräte, Wasserraketen, lernten programmieren oder erfuhren, wofür Strahlung in der Medizin eingesetzt wird. Das Institut für Medizinische Physik und Strahlenschutz an der THM begrüßte die 9. Klasse im Gymnasialzweig der Theo-Koch-Schule aus Grünberg. Institutsleiter Prof. Dr. Martin Fiebich gab einen Einblick in die Medizinische Physik: Strahlentherapie bei Krebs, Magnetresonanztomographie, Computertomographie und Röntgenstrahlung gehören zu den praktischen Anwendungen.

An der THM lässt sich das studieren, Medizinische Physiker arbeiten interdisziplinär und haben unter anderem auch Einblicke in Medizin und Biologie. „Das bisschen Physik ist gar nicht schlimm“, sagte Prof. Dr. Fiebich. Doktorand Alexander Brockmann führte die Schülerinnen und Schüler anschließend durch die Labore, ließ die Jugendlichen die Umgebung mit einer Wärmebildkamera entdecken, mikroskopieren und zeigte, wie mit 3D-Druck und sehr viel Handarbeit präzise Spulen für die Magnetresonanztomographie entstehen.

Am Campus Friedberg waren zwei siebte Klassen der Schrenzerschule Butzbach zu Gast und konnte in Laboren des Fachbereich Mathematik, Naturwissenschaften und Datenverarbeitung live erleben, wie vielfältig angewandte Naturwissenschaften sind: Botschaften mit Zaubertinte, Musik mit Flaschen, Licht in Prismen und Programmierung von Mini-Computern. Die größte Überraschung bescherte dabei Prof. Dr. Linda Beukemann mit ihren lernenden Maschinen: die bestanden nicht etwa aus Metall, sondern aus mit Perlen gefüllten Streichholzschachteln.
Das Chemikum Marburg bot mit dem Workshop „Ich, die unbekannte Lebensform“ einen biologisch-medizinischen Schwerpunkt, im Schüler:innen-Forschungszentrum Mittelhessen waren die jungen Forscherinnen und Forscher auf den Spuren der Radioaktivität, „Schwimmen und Sinken“ hieß es hingegen an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU): Schulklassen 5 und 6 konnten durch selbstständiges Experimentieren im Schülerlabor PiA lernen, mit Messzylindern, Überlaufgefäßen und Waagen umzugehen.
Praxisbezug: Unternehmen öffnen ihre Türen für den MINT-Nachwuchs
Besonders die Unternehmens-Angebote ermöglichten den Schülerinnen und Schülern praktische Einblicke in technische Berufe, moderne Produktionsprozesse oder innovative Technologien.
Wie aus Teamarbeit, Planung und kontinuierlicher Verbesserung erfolgreiche Produktionsprozesse entstehen, zeigte die Schunk Group in Heuchelheim. Bei einer Papierflieger-Challenge entwickelten die Schülerinnen und Schüler in Teams eigene Fertigungsabläufe und lernten spielerisch wichtige Prinzipien moderner Industrie kennen, von Qualitätsmanagement über Prozessoptimierung bis hin zu strukturierten Arbeitsabläufen und Zusammenarbeit im Team. Den Abschluss bildete ein Weitflug-Wettbewerb, bei dem die optimierten Papierflieger ihre Praxistauglichkeit unter Beweis stellen konnten. „Es war toll zu sehen, wie schnell die Teams ihre Abläufe verbessert haben. Genau dieses Verständnis für Zusammenarbeit und kontinuierliche Verbesserung ist in der Arbeitswelt entscheidend“, erklärte Dr. Antonio Kreß, Senior Manager Global Operations bei der Schunk Group. Personalreferentin Alexandra Elstner ergänzte: „Ziel der MINTmit-Aktion ist es, frühzeitig Interesse an technischen und naturwissenschaftlichen Themen zu wecken – praxisnah und mit viel Spaß.“ Die Firma Schunk ist auch seit Jahren Sponsor für den MINTmit-Preis, welcher alle zwei Jahre vergeben wird.
Besonders praktisch wurde es bei der Isabellenhütte Heusler GmbH & Co. KG in Dillenburg. Unter dem Motto „Bau dein eigenes E-Drike! – Technik erleben, Zukunft gestalten“ schlüpften die Schülerinnen und Schüler selbst in die Rolle von Konstrukteurinnen und Konstrukteuren. Sie montierten, schraubten und bauten ihre eigenen elektrisch angetriebenen Fahrzeuge zusammen und erfuhren dabei, wie Mechanik, Elektronik und Antriebstechnik zusammenspielen. Nach dem erfolgreichen Zusammenbau folgte der Praxistest: Auf dem Firmengelände konnten die Jugendlichen ihre E-Drikes direkt ausprobieren und selbst über den Hof fahren. So wurde Technik nicht nur erklärt, sondern unmittelbar erlebbar gemacht. Gleichzeitig erhielten die Teilnehmenden einen authentischen Einblick in die Arbeitswelt eines mittelhessischen Technologieunternehmens und in die Bedeutung technischer Innovationen für die Mobilität der Zukunft.

Unter dem Motto „Werkstatt der Zukunft – Technik hautnah erleben!“ begrüßte die Küster Automotive GmbH in Ehringshausen eine achte Klasse der Alexander-von-Humboldt-Schule aus Gießen. Nach einer Vorstellung des Unternehmens und seiner Produkte erkundeten die Schülerinnen und Schüler bei einem Betriebsrundgang die Bereiche Qualitätswesen und Produktion. Anschließend wurden sie selbst aktiv: In der Ausbildungswerkstatt bauten sie ein elektronisches „Mensch-ärgere-dich-nicht“-Spielfeld. Dabei bohrten und frästen sie die einzelnen Bauteile, montierten das Spielfeld und statteten es mit elektronischen Komponenten aus. Durch das Löten von Bauteilen und die Integration einer Platine entstand ein Spielfeld, das ohne klassischen Würfel auskommt. Die Jugendlichen erhielten so praxisnahe Einblicke in Metallbearbeitung, Elektronik und moderne Fertigungsprozesse – und konnten ihr selbst gebautes Ergebnis am Ende direkt ausprobieren.

Bei der Friedhelm Loh Group konnte eine achte Klasse mit 23 Schülerinnen und Schülern die Ausbildungswelt des Unternehmens kennenlernen und erfahren, welche vielfältigen, beruflichen Perspektiven sich in einem international tätigen Technologieunternehmen bieten. Dabei standen praktische Einblicke in unterschidliche Ausbildungsberufe und moderne Arbeitswelten im Mittelpunkt.

Bei Pfeiffer Vacuum tauchten die Schülerinnen und Schüler in die Welt der Vakuumtechnologie ein. Die Technologien des Unternehmens kommen unter anderem in der Halbleiterfertigung, Forschung, Medizintechnik und Industrie zum Einsatz. Die Jugendlichen erfuhren, wie Vakuum entsteht und warum diese Technologie für zahlreiche Zukunftsanwendungen unverzichtbar ist. Auch die Sparkasse Dillenburg beteiligte sich an den Aktionstagen und bot spielerische Einblicke.
Die Unternehmensangebote machten deutlich, wie vielfältig MINT-Berufe in Mittelhessen sind. Durch den direkten Kontakt mit Fachkräften und Auszubildenden konnten die Schülerinnen und Schüler technische Zusammenhänge praxisnah erleben und gleichzeitig potenzielle Arbeitgeber der Region kennenlernen.
Jens Schumacher aus dem Organisationsteam der MINTmit-Aktionstage bilanziert: „Ich freue mich sehr, dass wir ein so breites Spektrum und Angebote für alle Alterststufen hatten. Auch die unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten hat gut funktioniert. Von Seiten der Schulen gab es mehr Bewerbungen als 2025. Die Schülerinnen und Schüler hatten sichtlich Spaß an der Sache und haben Interessen entdeckt, die sie vorher noch gar nicht kannten. Insgesamt motiviert das Ergebnis für die MINTmit-Aktionstage 2027.“
Über die MINTmit-Aktionstage
Die von der THM organisierten MINTmit-Aktionstage haben 2026 zum zweiten Mal stattgefunden und sind Teil des MINT-Clusters Mittelhessen (MINTmit). Die Aktivitäten werden durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert. Partner des Verbundprojekts sind der Landkreis Gießen, die Regionalmanagement Mittelhessen GmbH und die Technische Hochschule Mittelhessen.
Mehr dazu auf www.mintmit.de