Am 6. Mai 2026 waren wir mit einem Mittelhessen-Stand im Casals Forum Kronberg beim ersten LEON, dem neuen Leitkongress für eine starke Wirtschaft in Hessen. Der Kongress löst den traditionsreichen Hessischen Innovationskongress HIK als zentrales Wirtschaftsforum des Landes ab.
Beim LEON vernetzen sich Unternehmen jeder Größe und Start-ups mit Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Das Ziel: gemeinsam den aktuellen globalen Herausforderungen zu begegnen und Impulse für die Zukunft zu setzen. Der Veranstaltungsort selbst ist eindrucksvoll: Das 2022 eröffnete Casals Forum, ein preisgekrönter Konzertsaal mit 550 Plätzen und herausragender Akustik, bot der Debatte über Hessens Wirtschaftszukunft eine ebenso inspirierende wie ungewöhnliche Bühne.
Mittelhessen war nicht nur im Publikum präsent, sondern auch auf der Bühne.
Schon die Eröffnung hatte Mittelhessen-Bezug: Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori wurde von Moderator Prof. Dr. Guido Baltes begrüßt als Mischung aus „Bodenhaftung der Lahn und Weitblick des Main.“ Uns sagte er beim Kongress: „Mittelhessen steht wie kaum eine andere Region für Wissenstransfer und Technologietransfer. Und deswegen wird auch die Zukunftsgeschichte Hessens ganz zentral in Mittelhessen erzählt. Ich glaube, wir haben da eine gute Grundlage für eine gute Zukunft.“
Auf der Bühne hob er besonders Pragmatismus und Zuversicht hervor: „Wir haben die Hebel in der Hand, die Dinge zum Guten zu wenden. Zuversicht ist eine bewusste Entscheidung, aber sie kann nur entstehen, wenn wir Vertrauen haben.“ Konkrete Pragmatismus-Beispiele brachte er mit beschleunigtem Brückenbau oder vereinfachten Innenwänden beim Hausbau.
Peter R. Manolopoulos, CEO der Schunk Group in Heuchelheim, beleuchtete Resilienz im industriellen Mittelstand entlang von vier Bereichen: Lieferkette, Innovation, Produktportfolio und Footprint sowie Unternehmensführung. Dabei erfuhren die Gäste, wie allgegenwärtig mittelhessische Schunk-Produkte im Alltag sind: Kohlebürsten in Autos für Anlasser, Fensterheber und Sitzverstellung, Stromabnehmer für Züge, Maschinen für die Fertigung von Brillengläsern. Und wahrscheinlich wurde auch das eigene Handy in Schunks Umweltsimulationsanlagen getestet. Er betonte: „Mittelständler wollen Unternehmen in die nächste Generation bringen und nicht unbedingt kurzfristig den Wert maximieren.“
Stephan Schmidt aus Limburg hob in der Runde „Hessens industrielle Hoffnungsträger“ hervor, dass Mittelhessen über exzellente, weltweit gefragte Rohstoffe verfügt: Schmidt Tone fördert 1,35 Millionen Tonnen pro Jahr in 400 verschiedenen Qualitäten und stellt das Ergebnis der Industrie für den Keramik-Markt zur Verfügung. Daraus entstehen unter anderem Bodenfliesen und Produkte für die globale Sanitärindustrie. Für ihn bedeutet Verbundenheit mit der Region: mutig in den Standort investieren. Allein in den letzten Jahren waren es zweistellige Millionenbeträge, weitere folgen, unter anderem für erneuerbare Energieversorgung als Ersatz für fossile Brennstoffe.
In einer Breakout-Session wurde der Resilienz-Check von GAL digital präsentiert und später am Tag auch von Brigadegeneral Radmann auch auf der Hauptbühne empfohlen. www.resilienzcheck.org
Das Grande Finale des Tages lieferten Mittelhessen-Botschafter Lars Ruppel und Dominique Macri: Bei ihrer poetisch-humoristischen Zusammenfassung des Kongresstages blieb kein Auge trocken.
𝗪𝗮𝘀 𝘄𝗶𝗿 𝗻𝗼𝗰𝗵 𝗴𝗲𝗹𝗲𝗿𝗻𝘁 𝗵𝗮𝗯𝗲𝗻: 𝗩𝗼𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗸𝗿𝗲𝗮𝘁𝗶𝘃𝗲𝗻 𝗭𝗲𝗿𝘀𝘁ö𝗿𝘂𝗻𝗴 𝘇𝘂𝗿 𝗸𝗿𝗲𝗮𝘁𝗶𝘃𝗲𝗻 𝗘𝗿𝗻𝗲𝘂𝗲𝗿𝘂𝗻𝗴
Prof. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), stellte drei nötige Transformationen vor: die Neugestaltung des Wirtschaftsmodells in einer veränderten Globalisierung, den Technologiewandel und die soziale Akzeptanz. Die Kernbürde dabei sei eine mentale Depression. Dabei sei die wirtschaftliche Situation besser als die Stimmung. Transformation erfordere kreative Zerstörung: Manche Ideen müssen scheitern, damit andere Erfolg haben, Unternehmen müssen stärker ins Risiko gehen. Wirtschaft sei zu 70% Psychologie. Wir fokussierten uns zu sehr auf Schwächen statt auf Stärken. Und: Eine Gesellschaft, die Solidarität und Gemeinschaft hochhält, könne große Transformationen bewältigen.
Zukunftsforscherin Carina Stöttner nahm das Publikum mit in drei Industrie-Szenarien für 2040. Dabei ging es nicht um die wahrscheinlichste, sondern die plausibelste Zukunft, um kreative Erneuerung und die Frage, welche Fachkräfte wir dazu bräuchten. Szenario 1: Deeptech-Deutschland mit bahnbrechenden Innovationen für komplexe Probleme. Szenario 2: The Apple-Modell mit Innovation und Design in Deutschland, Produktion weltweit. Szenario 3: Make Europe great again bzw. Glocal – das Rad mit Verfügbarem neu erfinden (frugale Innovation), Resilienz sowie Re- und Nearshoring als oberste Gebote. Ihr denkbarer Favorit: eine Mischung aus Deeptech und Glocal.
In der Podiumsdiskussion „Neue industrielle Ordnung: Strategische Pfade für eine stabile und zukunftsfähige Wirtschaft in Hessen“ ging es um Resilienz, Digitalisierung, Investitionen, Abhängigkeit, Souveränität im Technologiesektor, Innovation, Gründung und Transformation. Mansooris Fazit: Veränderungen habe es immer gegeben. Es gehe darum, wie wir dem Wandel begegnen, ob wir die Chancen stark machen oder die Risiken. Es müsse uns gelingen, auch Erfolgsgeschichten über den Fortschritt zu KI und Industrie 4.0 zu erzählen.
Im Defence Panel diskutierten Vertreter aus Bundeswehr, Wirtschaft und Innovation Kooperationspotenziale. Die Bundeswehr benötigt vom Schnürsenkel bis zum Satelliten alles, doch Panzer lassen sich nicht einfach auf den Anlagen der Automobilindustrie fertigen. Unternehmen müssen sich fragen: Wo in der Lieferkette passe ich hinein? Welche Synergien und Partnerschaften sind möglich?
Brigadegeneral Holger Radmann erinnerte daran, dass es auch im Zivilschutz erhebliches Potenzial gibt und dass es dort das beste Equipment braucht.
Danke für den Tag an Wirtschaftsministerium Hessen, Technologieland Hessen und Hessen Trade & Invest GmbH.