Der 21. Auftritt der Region auf Europas größter Immobilien-Messe zeigte konkrete Ansätze für die Herausforderungen der Branche: von Finanzierung, Baukosten und Effizienz über Revitalisierung und multipler Nutzung bis zu Fachkräfte und Digitalisierung.
Die Region Mittelhessen hat sich auf der EXPO REAL 2026 in München mit einem Aussteller-Rekord als starker Wirtschaftsstandort präsentiert.
Vom 5. bis 7. Oktober 2026 bildete das Regionalmanagement Mittelhessen gemeinsam mit 25 Partnern und 18 Sponsoren ein starkes Bündnis aus Bauunternehmen, Projektentwicklern, Banken und Sparkassen, Kommunen, Landkreisen, Hochschulen sowie Wirtschaftsförderungen. Der Gemeinschaftsstand zeigt so, was die Region leistet: von der Flächenentwicklung über Planung und Bau bis zur Finanzierung. Es war der 21. Auftritt seit 2005.
Die Messe selbst verzeichnete 1.777 Aussteller und mehr als 42.000 Gäste, mehr als im Vorjahr: Der Markt zeige erste Anzeichen der Erholung, die Investitionsbereitschaft wachse. Ob Projekte tatsächlich entstehen, entscheide sich aber oft an drei Stellen: bei der Finanzierung, bei den Baukosten und den Vorschriften, so die Messe.
Gottfried Milde, Sprecher der WIBank-Geschäftsleitung, prognostiziert: „Die leicht positive Tendenz im freifinanzierten Wohnungsbau gibt uns Zuversicht, dass die vielen politischen Maßnahmen zur Eindämmung der Preissteigerungen auf dem Bau Wirkung zeigen und der Markt sich langsam wieder selbst reguliert. Gleichzeitig beobachten wir, dass die Transformation der Bau- und Immobilienbranche zu den prägenden Entwicklungen unserer Zeit gehört. Steigende Anforderungen an Effizienz, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit machen deutlich, dass neue Wege gefragt sind. Wir begrüßen daher die Intentionen der Politik, gezielt Anreize für innovative Bau- und Planungsmethoden zu schaffen.“
Qualität statt Quantität
Der mittelhessische Auftritt setzte vor diesem Hintergrund auf konkrete Antworten und Problemlösungen. Lars Witteck, Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen eG, bezeichnete den Gemeinschaftsstand als Anlaufstelle, die von Jahr zu Jahr professioneller werde. Früher habe man erklären müssen, wo Mittelhessen liegt. Heute kämen die Besucher gezielt vorbei, weil sie wüssten, was die Region zu bieten habe.
Jens Ihle, Geschäftsführer des Regionalmanagement Mittelhessen, resümiert: „In unruhigen Zeiten braucht ein Standort wie Mittelhessen vor allem ein starkes Teamplay der Akteure in der Immobilienwirtschaft. Der Fokus liegt auf qualitativen Projekten und Flächen, die die Wertschöpfung der Region sichern. Und auf guten Rahmenbedingungen, vom Wohnen bis zur Lebensqualität. Unseren Gesellschaftern aus der Politik ist die Aufgabe sehr bewusst. Das beweist die Präsenz der politischen Spitzen auf unserem Stand.“

Bei der Ansprache begrüßte Dr. Christoph Ullrich, dienstältester Regierungspräsident beim Regierungspräsidiums Gießen, zum elften und letzten Mal in seiner Amtszeit die Partner am Stand: „Ich habe den Auftritt auf der EXPO Real für unsere Bildungs- und Wirtschaftsregion Mittelhessen immer gerne unterstützt und finde es toll, dass wir dieses Mal einen neuen Rekord verzeichnen.“ Dietmar Persch, Hauptgeschäftsführer der IHK Lahn-Dill, ergänzte in seiner Funktion als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Regionalmanagements: „Auf der wichtigsten Real Estate Messe Europas Flagge zu zeigen und die Stärken der Region zu präsentieren ist und bleibt wichtig für Mittelhessen.“
Neue Wege: Mehr Lösungen statt mehr Probleme
In zehn Talks an zwei Tagen spannte das Fachprogramm am Mittelhessen-Stand den Bogen von der aktuellen Lage bis zur digitalen Transformation und der Zukunft des Bestands.

Ilona Roth (Sparkasse Gießen), Stefan Füll (Handwerkskammer Wiesbaden) und Klaus Rohletter (Bauunternehmung Albert Weil AG) beleuchteten im Branchentalk ihre drei Blickwinkel: Die Branche brauche eine verlässliche Förderkulisse, um planen zu können, und sie brauche den Mut, Projekte trotz unsicherer Rahmenbedingungen anzugehen. Der Mittelstand müsse sich flexibler auf neue Bedingungen einstellen und die Dinge angehen, so Rohletter.

Johann Schäfer (Schäfer Dein Bäcker), tut dies, was sein Personal betrifft: Mit dem WELCOMECENTER Mittelhessen diskutierte er, dessen Bäckereiunternehmen stark gewachsen ist, über die Beschäftigung internationaler Fachkräfte, über seine Erfahrungen, neue Chancen und Hürden.

Auch die Adolf Lupp GmbH + Co KG geht neue Wege: Robin Sinemli berichtete, wie Start-Ups und Mittelstand bei „The Mission Construction“ gemeinsam Lösungen suchen und entwickeln, etwa bei der Bauüberwachung oder in der Kalkulation. Aus Pilotprojekten soll eine echte Zusammenarbeit entstehen.

Ebenso bei der Kardham P.O.T. GmbH: Daniela Lotz zeigte am Beispiel von Büro- und anderen Bestandsbauten, wie sich diese revitalisieren und für multiple Zwecke zugleich nutzen lassen. Dazu entstehe derzeit eine Studie. „Wir schaffen zeitlose Orte, die Eigentümern Wert, Mietern Lebensqualität und der Stadt neue Räume für Begegnung bieten.“, so Lotz.
Tradition und Zukunft für Multifunktionalität
Zuschauer-Rekord löste die Projektpräsentation zum rund 16 Hektar großen GAIL-Areal in Gießen aus. Aus dem ehemaligen Werksgelände soll ein multifunktionaler Gewerbecampus entstehen. Er soll Arbeiten, Produktion, Forschung sowie Freizeit miteinander verbinden.

Wie das gelingen kann, erläuterte der Projektentwickler David Losberg zusammen mit Sven Seipp und Julian Keetmann (Mykorrhiza Real Estate) vor großem Publikum. Das Gelände lag rund 30 Jahre brach. „Seitdem ist die Immobilie durch viele Hände gegangen, aber wenig wurde umgesetzt. Das ändern wir jetzt.“, so Seipp. 2024 wurde es von Christiane Roth erworben.

Das Areal wird bereits heute für Veranstaltungen genutzt. Das bringt Leben rein, noch bevor die Entwicklung abgeschlossen ist. Historisches, wie der alte Ringofen, bleibt erhalten und zeigt die Industriekultur. Gleichzeitig soll im Rahmen eines innovativen Startup-Konzepts durch Kooperation mit Universitäten Gründenden eine Plattform in der Region geboten werden. „Wenn man die Dinge anders angeht, entsteht größeres Interesse. Die Herausforderung ist nun, die Erwartungen zu erfüllen“, so Losberg.

Gießen hat auch eine 400-jährige Tradition in der Medizin. Vier Krankenhäuser versorgen heute rund 360.000 Menschen im Jahr, es gibt keine unbesetzte Facharztstelle und etwa jeder Fünfte arbeitet im Gesundheitssektor. Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher, Stadtplaner Dr. Holger Hölscher und Wirtschaftsförderer Frank Hölscheidt erläuterten, wie die Stadt auf diesen Stärken aufbauen will. Ein nachhaltiges Modell entwickelt sich im ehemaligen Kaufhaus Darré: „Das Gesundheitskonzept hat bereits sehr positive Reaktionen und Interesse ausgelöst“, so Hölscher. Es sei zukunftsfähig, demografisch wichtig und unterstütze u.a. mit Schulungen, Beratungen und Arztpraxen in unmittelbarer Nachbarschaft zur Universitätsbibliothek die Multifunktionalität der Stadt.
Der Blick in die Zukunft und neue Sichtweisen
Wie wir künftig einkaufen, untersuchte der Talk zur Nahversorgung.

Jörn Burghardt (GPEP GmbH), Susanne Gehle (Kaufland Immobilien Deutschland), Harald Ortner (HBB) und Ralf-Peter Koschny (bulwiengesa) verglichen die Erwartungen verschiedener Generationen an den Lebensmittelhandel. Absehbar sei, dass sich Kaufentscheidungen künftig zwischen künstlicher Intelligenz und Preisbewusstsein entscheiden.

Und wie man besser bauen kann, zeigten Michael Hundertmark, Bürgermeister der Stadt Wetzlar, Klaus Hirt (Drees & Sommer SE) und Björn Trieschmann (studio aw). Zum Beispiel durch serielles Bauen und eine integrierte Projektabwicklung. Tempo und Effizienz entstünden dort, wo Kreativität, Mut und Vertrauen zusammenkommen und wo Gebäude einen Nutzen über die reine Vermietung hinaus stifteten. Zugleich müsse der Flächenverbrauch pro Kopf sinken. „Die Stadt muss Vorbild sein mit Partnern der Wirtschaft, dann funktioniert es“, so Hundertmark.

Die gif Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e.V. präsentierte die brandneue Richtline „Digitale Transformation“. Das Publikum reagierte mit Anerkennung und zahlreichen Rückfragen. Das Team um Prof. Dr. Verena Rock erläuterte sieben Schubkräfte, die als Erfolgsfaktoren dienen: Strategie & Verstetigung, Kultur & Personal, Prozesse & Daten sowie Technologie. Ergebnis: begründete Prioritäten statt pauschaler Digitalambition.

Eine Lücke zwischen Rechnung und Realität nahm die AMADEUS Group in den Blick. Dimitri Pickel, Torben Etz und Lukas Kötter zeigten auf, dass Banken wirtschaftlich tragfähige Neubau-Kapitalanlagen häufig zu konservativ bewerten. Das betreffe rechtliche Spielräume ebenso wie den Umgang mit Lebenshaltungskosten und die Frage, welches Gewicht die bisherige Wert- und Mietentwicklung bei Prognosen haben sollte. Gefordert wurde eine neue Sichtweise.
Das starke Netzwerk um die Ecke
„Mit der Vielfalt unserer Themen und Aussteller zeigt sich auch der Wert starker Netzwerke im Heimatmarkt. Bei uns sind Investoren keine anonymen Fonds, sondern echte Menschen aus der Region. Mit persönlicher Bindung, langfristigem Denken und einem ehrlichen Interesse an der Entwicklung vor Ort. Diese Nähe schafft Vertrauen, ermöglicht schnelle Entscheidungen und macht uns auch in schwierigen Marktphasen handlungsfähig.“, so Ihle.
Auf unserer Messe-Seite erfahren Sie mehr über unsere Messeauftritte. Hier finden Sie auch noch einmal alle Aussteller und Sponsoren 2026.
Fotos: Tilman Lochmüller im Auftrag der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH
