Das mittelhessische Cluster MINTmit war Gastgeber des diesjährigen hessischen MINT-Netzwerktreffens am 3. November 2026. Im Mathematikum Gießen diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Landes-Netzwerken über aktuelle Entwicklungen, Fördermöglichkeiten und die Zukunft der MINT-Bildung in Hessen. Organisiert wurde das landesweite Netzwerktreffen wieder von der HA Hessen Agentur GmbH. Über 30 Teilnehmende aus mehr als 10 Netzwerken waren vertreten.
Austausch im ersten Mathematik-Science Center der Welt
Das regelmäßige Hessen-Treffen bietet den Akteuren eine Plattform, um sich über Entwicklungen in der MINT-Bildung auszutauschen, erfolgreiche Ansätze kennenzulernen und gemeinsame Herausforderungen zu diskutieren. Gerade weil die Netzwerke unter unterschiedlichen regionalen Rahmenbedingungen arbeiten, ist der Wissenstransfer über die eigenen Regionen hinaus wichtig. Er hilft, Erfahrungen zu teilen, Synergien zu nutzen und die MINT-Bildung in Hessen gemeinsam weiterzuentwickeln.
Das Mathematikum Gießen bot den passenden Rahmen für das Treffen. Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher, Gründer des Mathematikums, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ebenfalls persönlich. Das 2002 eröffnete Mathematikum Gießen ist das erste mathematische Mitmach-Museum der Welt und gilt als Pionier unter den Science Centern. An mehr als 170 interaktiven Exponaten können Besucherinnen und Besucher mathematische Phänomene selbst ausprobieren und entdecken. Das macht sie unmittelbar erfahrbar. Damit steht das Mathematikum beispielhaft für einen Ansatz, der auch die außerschulische MINT-Bildung prägt: Neugier wecken, zum Experimentieren einladen und Wissen durch eigenes Erleben vermitteln.
Aktuelle Entwicklungen auf Landesebene
Zum Auftakt standen die Aktivitäten und Initiativen der Landesregierung im Mittelpunkt. Vertreterinnen und Vertreter des Hessischen Ministeriums für Kultus, Bildung und Chancen, des Hessischen Ministeriums für Digitalisierung und Innovation sowie des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum informierten über aktuelle Entwicklungen im MINT-Bereich.
Anke Hundt, Referatsleiterin MINT im Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen, betonte die Bedeutung der Vernetzung der MINT-Akteure in Hessen. Nur wenn die verschiedenen Angebote bekannt seien, könnten sie auch landesweit sichtbar gemacht und miteinander verknüpft werden. Als Beispiel nannte sie die Vernetzung weiterer Schüler:innen-Forschungszentren im Anschluss an das Projekt SkyMi. Für das kommende Jahr seien mehrere Wetterballon-Starts an verschiedenen Standorten in Hessen geplant. Das Vorhaben passe besonders gut zum Wissenschaftsjahr 2027, das unter dem Schwerpunkt Raumfahrt stehe.
Ein weiterer Schwerpunkt liege auf der Weiterentwicklung der Kerncurricula und der hessischen Bildungsstandards für Mathematik und Naturwissenschaften. Diese bildeten die Grundlage für die Weiterentwicklung des Unterrichts und sollten künftig verstärkt Themen wie Digitalisierung, Innovationsfähigkeit und Technologisierung berücksichtigen. Darüber hinaus stelle sich die Frage, wie Experimente und das praktische Forschen wieder stärker im Schulalltag verankert werden könnten.
Christian Richter-Ferenczi, Leiter des Referats Digitalwirtschaft, digitale Kompetenzen und Fachkräfte im Hessischen Ministerium für Digitalisierung und Innovation, stellte die Aktivitäten des Landes zur Förderung digitaler Kompetenzen und zur Fachkräftesicherung vor. Dabei geht es insbesondere darum, junge Menschen frühzeitig für digitale Technologien und IT-Berufe zu begeistern und ihnen Einblicke in die vielfältigen Berufsmöglichkeiten der Digitalwirtschaft zu ermöglichen. Ein Beispiel ist die Initiative „Tech-IT-out“, bei der Schülerinnen und Schüler Unternehmen besuchen und die praktische Arbeit in der IT kennenlernen. Darüber hinaus setzt sich das Ministerium dafür ein, mehr Mädchen und Frauen für IT-Berufe zu gewinnen und weibliche Vorbilder in der Digitalwirtschaft sichtbar zu machen.
Hilke Smit-Schädla, Referatsleiterin für Berufliche Bildung im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, berichtete über die Aktivitäten des Landes zur Stärkung der beruflichen Bildung und der MINT-Berufsorientierung. Mit der MINT-Aktionslinie unterstützt das Ministerium entsprechende Berufsorientierungsprojekte, die jungen Menschen praxisnahe Einblicke in MINT-Berufsfelder ermöglichen und Unternehmen als Kooperationspartner einbeziehen. Beim aktuellen Projektaufruf wurden sechs Projekte bewilligt und sind inzwischen gestartet. Erstmals ist auch ein Angebot für Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf dabei. Parallel laufen bereits die Planungen für die nächste Förderperiode ab 2029. Neben der konkreten Projektförderung bilden die Sichtbarkeit der Angebote und die Vernetzung der beteiligten Akteure einen weiteren wichtigen Baustein der Landesaktivitäten.
Im Anschluss gab die Hessen Agentur ein Update zur Plattform mint-in-hessen.de. Die landesweite Plattform bündelt Informationen zu MINT-Angeboten, Initiativen und regionalen Netzwerken. Sie soll dazu beitragen, die vielfältigen Aktivitäten in Hessen sichtbarer zu machen und Interessierten einen zentralen Zugang zu den Angeboten zu ermöglichen.
Erfahrungen teilen, Herausforderungen diskutieren
Das Gastgeber-Cluster MINTmit stellte die MINT-Aktivitäten in Mittelhessen vor. Die Projektpartner Regionalmanagement Mittelhessen, Landkreis Gießen und Technische Hochschule Mittelhessen bringen Akteure aus Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen. Ziel ist es, die regionalen MINT-Angebote sichtbarer und besser zugänglich zu machen, Kooperationen anzustoßen und die außerschulische MINT-Bildung für Kinder und Jugendliche zu stärken. Bei den eigenen MINTmit-Aktionstagen haben dieses Jahr über 1.300 Kinder und Jugendliche aus der ganzen Region teilgenommen.
Im anschließenden Austausch berichteten die Vertreterinnen und Vertreter der Netzwerke über ihre aktuellen Aktivitäten, besondere Erfolge und neue Erfahrungen. Im Mittelpunkt standen dabei auch die Herausforderungen, mit denen die regionalen Akteure in ihrer täglichen Arbeit konfrontiert sind.
Die unterschiedlichen Strukturen und Erfahrungen der Netzwerke machten deutlich, wie vielfältig die MINT-Landschaft in Hessen ist. Gleichzeitig wurden gemeinsame Themen sichtbar: die langfristige Finanzierung der Netzwerkarbeit, die Gewinnung und Bindung von Partnern, die Qualität der Angebote sowie die Frage, wie möglichst viele Kinder und Jugendliche erreicht werden können.
Nach der Mittagspause richtete sich der Blick auf die Frage, welche Kompetenzen, Erfahrungen und Ressourcen in den regionalen Netzwerken vorhanden sind und wie diese besser sichtbar und nutzbar gemacht werden können.
Finanzierung von MINT-Netzwerken, Qualitötsoffensive und Ganztagsangebote im Fokus
Im anschließenden Themenblock standen drei konkrete Handlungsfelder der MINT-Netzwerkarbeit auf dem Programm.
- Roger Voigtländer vom Verein MINT im Werra-Meißner-Kreis e. V. berichtete über Erkenntnisse aus dem Pilotworkshop „MINT-Regionen stärken! – Den Weg zur Eigenfinanzierung finden“. Das Qualifizierungsangebot unterstützt MINT-Regionen dabei, tragfähige Finanzierungs- und Geschäftsmodelle für ihre Netzwerkarbeit zu entwickeln. Hintergrund ist die Herausforderung, dass viele Netzwerke nach dem Auslaufen zeitlich befristeter Förderungen langfristig tragfähige Strukturen benötigen. Im Mittelpunkt stehen deshalb die Entwicklung eigener Finanzierungsansätze und die Frage, wie die Arbeit der Netzwerke dauerhaft gesichert werden kann.
- Nele Hein von der MINT-Region Südhessen stellte Unterstützungsangebote und digitale Werkzeuge zur Qualitätsentwicklung vor. Die MINT-Qualitätsoffensive hilft außerschulischen MINT-Initiativen, ihre Angebote systematisch zu überprüfen, Verbesserungspotenziale zu erkennen und ihre Wirkung zu stärken. Dafür stehen unter anderem ein kostenloses Online-Tool zur Selbstanalyse, begleitende Workshops und Möglichkeiten zum bundesweiten Erfahrungsaustausch zur Verfügung. Der MINT-Campus ergänzt diese Angebote durch eine digitale Lernplattform mit kostenfreien Lernangeboten und Materialien für Menschen, die in der MINT-Bildung aktiv sind.
- Wie MINT-Angebote künftig stärker in den Ganztag integriert werden können, beleuchtete Michael Schmitt von der Serviceagentur Ganztag Hessen. Im Mittelpunkt standen die Rahmenbedingungen für Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Bildungsträgern. Die Zusammenarbeit eröffnet Möglichkeiten, MINT-Angebote stärker in den Schulalltag einzubinden und Kindern und Jugendlichen zusätzliche praktische Lernerfahrungen zu ermöglichen. Gleichzeitig müssen organisatorische Fragen, Zuständigkeiten und die unterschiedlichen Anforderungen von Schulen und außerschulischen Partnern berücksichtigt werden.
Vernetzung schafft neue Impulse für die MINT-Arbeit
Das hessische MINT-Netzwerktreffen zeigt, wie wichtig der regelmäßige Austausch zwischen den regionalen Akteuren ist. Die unterschiedlichen Perspektiven aus Hessen liefern neue Impulse für die eigene Arbeit und schaffen Anknüpfungspunkte für Kooperationen. Viele Herausforderungen betreffen die Netzwerke gleichermaßen und lassen sich gemeinsam besser angehen.
Nach dem offiziellen Programm bestand zum Abschluss die Möglichkeit, das Mathematikum zu besuchen und die interaktiven Exponate selbst auszuprobieren.
MINTmit freut sich, das hessische Netzwerk in diesem Jahr in Mittelhessen begrüßt und den Austausch der MINT-Akteure als Gastgeber unterstützt zu haben.