Herr Ihle, TeamMit startet in das vierte Jahr. Sind Sie zufrieden?
Wenn wir über Zahlen sprechen, definitiv. Wir haben mehr als 2.000 Teilnehmende in über 100 Veranstaltungen erreicht. Mehr als die Hälfte der 250 relevanten Unternehmen in der Region haben an Veranstaltungen teilgenommen. Und beim bundesweiten Vergleich von Transformationsnetzwerken wurden wir als eine Best Practice Region ausgewählt. Das freut uns natürlich. Auf der anderen Seite bleibt die wirtschaftliche und weltpolitische Lage sehr unsicher und die Zahl der Insolvenzen steigt leider auch in Mittelhessen. Viele Unternehmen sind in ihrer Existenz bedroht.
Was heißt das für die Arbeit von TeamMit?
Wir müssen uns noch mehr reinhängen, um die Unternehmen zu unterstützen. Unsere Antwort auf globale Herausforderungen ist regionale Kollaboration, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die uns hier, vor Ort, helfen. Dafür haben wir eine belastbare und vertrauensvolle Basis geschaffen. Und wir haben viel über den konkreten Bedarf unserer Unternehmen gelernt und unsere Angebote nachjustiert.
Welche Leistungen bietet TeamMit Unternehmen und was kosten diese?
Dank der Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sind unsere Leistungen kostenfrei. Unser Partner CCD/StudiumPlus bietet Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen für die sich ändernde Arbeitswelt in der Automobilzulieferindustrie und engagiert sich für die Vernetzung von Wirtschaftsregion und Bildungslandschaft im Lahn-Dill-Kreis. Die Universität Marburg hat gezielt Kooperationen zwischen Studierenden und mittelständischen Unternehmen initiiert. Die TransMIT unterstützt Unternehmen bei der technologischen und strategischen Entwicklung unter anderem mit Technologieworkshops und Impulsvorträgen, Branchen- und Marktanalysen sowie Patent- und Fördermittelrecherchen. Und als Regionalmanagement ist unser Schwerpunkt, neben der Organisation und der Kommunikation, der Aufbau des Netzwerks als Kooperationsökosystem mit der Peer Group im Zentrum.
Was ist die Peer Group und kann da jeder mitmachen?
Bei unseren Projekten hat sich ein Kern von rund 15 Unternehmen gebildet, die besonders engagiert und an Kooperationen interessiert ist. Zur Peer Group gehören beispielsweise Cohline, Limtronic oder die B+T Gruppe. Wir haben ihnen eine Plattform geboten und den ehrlichen Austausch begleitet. Dabei haben die Unternehmen für sie relevante Themen herausgearbeitet, die sie gemeinsam bearbeiten – für mich ein perfektes Beispiel für gelungene Kollaboration in der Region.
Gibt es schon konkrete Ergebnisse bei der Peer Group?
Ja. In zwei Blöcken hat sich die Peer Group mit den Themen Energiemanagement und CO2 Regulatorik beschäftigt. Unternehmen haben ihre Ideen und Ansätze präsentiert und Probleme bei der Umsetzung sehr offen und technisch auf Augenhöhe besprochen. Sie erhielten Einblicke, wie es bei anderen läuft, und konnten sich gegenseitig Tipps geben. Dadurch konnte jeder etwas für das eigene Unternehmen mitnehmen.
Welche Ziele verfolgen Sie mit TeamMit?
Kurzfristig wollen wir 2026 als Brückenjahr nutzen, um das Projekt auch wirtschaftlich auf eigene Füße zu stellen. Mittel- und langfristig wollen wir Unternehmen, Hochschulen und Sozialpartner noch enger vernetzen. Mein Ziel ist, die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu steigern und Mittelhessen zu einer führenden Region für Innovation und Kooperation zu machen. Eine, die dynamisch und für Start-Ups und Industrieunternehmen gleichermaßen attraktiv ist, weil es sich lohnt hier zu investieren.
Was ist die Rolle des Regionalmanagements Mittelhessen dabei?
Als Konsortialpartnerführer geben wir den Kurs vor und orchestrieren die Aktivitäten. Dabei sind wir immer auf der Suche nach Möglichkeiten, Kooperationen zu initiieren, auch, um neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Aktuell ist zum Beispiel das Thema Defence für viele Unternehmen attraktiv oder die Frage, wie KI effizient und sicher eingesetzt werden kann. Beide Themen passen zu TeamMit und eignen sich ideal für Kooperationen. Unsere Rolle ist es, dafür den bestmöglichen Rahmen zu schaffen.
Herr Ihle, herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg.
Foto: Tilmann Lochmüller