Transformation und Innovation sind teuer. Aber woher kommt das Geld dafür? Viele Automobilzulieferer in Mittelhessen stehen gerade vor ähnlichen Problemen: Auf der einen Seite brechen Märkte und Absatzzahlen ein, auf der anderen Seite müssen sie investieren, um Innovationen voranzutreiben und neue Märkte zu erschließen. Die TeamMit Masterclass „Transformation through Finance – Innovation finanzieren. Wandel gestalten“ gab Impulse und Anregungen, wie das auch in angespannten Zeiten gelingen kann.
Beim „Disrupt from the Core – Festival für Innovation und Transformation“ kamen auf Einladung von TeamMit acht erfahrene Finanzierungsspezialisten aus den Bereichen Finanzierung, Förderung und Beteiligung zusammen. In einem exklusiven Panel stellten sie unterschiedliche Ansätze und Instrumente zur Finanzierung von Transformations- und Innovationsprozessen im Mittelstand und in Mittelhessen vor. Ein guter Überblick und praxisnahe Ansätze, die Unternehmen in der Region weiterhelfen können.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Andreas Lukic, Vorstandsvorsitzender der Business Angels Mittelhessen. Dieser brachte die aktuellen Herausforderungen wie folgt auf den Punkt: „Wir haben in Mittelhessen gute Unternehmen, starke Hochschulen und relevante Technologien. Damit Business gedeihen kann, müssen auch die Herausforderungen auf der Finanzierungsseite gelöst werden.“ Deshalb sei das Panel so ausgewählt worden, dass die verschiedenen Möglichkeiten und Kombinationen von Privatbanken, Firmenbanken, Private Equity und Förderinstitutionen vorgestellt würden.
Linda Hoegener Schinwald, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Deutschen Beteiligungs AG, stellte vor, wie diese Unternehmen im B2B-Bereich über Mehrheits- und Minderheitsbeteiligungen sowie Fremdkapitalfinanzierungen unterstützen, um beispielsweise Wachstum zu ermöglichen, die Nachfolgeregelung zu finanzieren und ein Management-Buy-out zu realisieren. Dabei fokussiere sich die DBAG auf Familienunternehmen im DACH-Raum und Italien: „Wir kennen Familienunternehmen und wissen, was ihnen wichtig ist.“

Hans Remsig, Director / Head Expertenteam bei der Deutschen Bank, gab eine aktuelle Einschätzung zur Entwicklung des Automobilmarktes und der Zulieferer. Dabei konstatierte er: „Der lange Krisenzyklus hat zu einem Substanzverlust in Unternehmen geführt.“ Das Geschäftsmodell aus Premiumprodukten, Made-in-Germany und Export funktioniere nicht mehr. Überdies gebe es eine Entwicklung von einer globalisierten zu einer regionalen Industrie. Deshalb schauten Investoren genau hin, in welchem Bereich sie in welcher Form investierten.
„Transformation ist für uns nicht neu“, begann Daniel Marburger, Vertreter des Vorstandes der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, seine Vorstellung. Er betonte das tiefe regionale Verständnis und den großen Erfahrungsschatz mit mittelständischen Unternehmen. „Finanzierung ist in den letzten Jahren komplexer geworden.“ Die Transformation in der Region liege ihnen am Herzen. Deshalb forderte er Unternehmer auf, sich bereits frühzeitig an Berater zu wenden, um gemeinsam flexible, tragfähige und effiziente Lösungen entwickeln zu können.
Christian Schäfer, Abteilungsleiter Corporate Finance bei der Volksbank Mittelhessen, griff den Ansatz seines Vorredners auf und betonte: „Wir decken viele Transformationsvorhaben in der Region ab.“ Dabei sehe man sich als regionaler Partner, der mit innovativen Lösungen vorangehe. Ein Beispiel dafür sei das Pay-per-Use-Modell, bei dem Unternehmen Maschinen gemäß der Auftragslage und Nutzung finanzieren könnten. Dies ermögliche eine konjunkturgerechte Flexibilität und schaffe zusätzliche finanzielle Freiräume.
Was es bedeute, wenn sich klassische, bilaterale Kreditstrukturen änderten, erläuterte Frank Schneider, Filialleiter Firmenkunden bei der Commerzbank. „Wir müssen Wege finden, die Kernfinanzierung mit neuen Produkten dynamischer zu gestalten.“ Ein Beispiel dafür sei es, den Kreditrahmen mit dem Umlaufvermögen automatisch mitwachsen zu lassen. Eine andere Möglichkeit sei, das Zahlungsziel, ähnlich wie bei Endkundenangeboten, unkompliziert auf 30, 60 oder 90 Tage zu erweitern, ohne dass Lieferanten es mitbekämen.

Thomas Peter und Markus Oeste von der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) erklärten: „Die Förderlandschaft ist komplex. Und sie wird komplex bleiben.“ Für Unternehmen sei es wichtig zu wissen, welche Landes-, Bundes- und EU-Mittel es gebe, um ein passendes Förderpaketschnüren zu können. Das Angebot reiche von kleinen und größeren Förderdarlehen für Gründungen und Wachstumsmaßnahmen bis hin zu Beteiligungen und Zuschüssen. Wichtig sei immer die inhaltliche Orientierung der Maßnahmen beispielswiese in Richtung Transformation, Innovation, Resilienz der Lieferketten und CO2-Reduzierung.
In der Abschlussrunde zeigte sich Dominic-Klaus Diesser, Projektmanager TeamMit, sehr zufrieden mit dem Verlauf und den Inhalten der Veranstaltung. Es sei gelungen, die unterschiedlichen Ansätze zur Strukturierung einer Finanzierung vorzustellen und deren Vor- und Nachteile zu beleuchten. „Unternehmen müssen wissen, welche Finanzierungslösungen es gibt, um richtige Entscheidungen treffen zu können.“ Wegen der großen Nachfrage sei eine Wiederholung der Masterclass in ähnlicher Zusammensetzung im kommenden Jahr in Planung.
Die TeamMit Masterclass fand im Rahmen von LOVEDIS – Disrupt from the Core im Lokschuppen Marburg statt. Mehr als 300 Teilnehmende besuchten das einzigartige Innovations- und Transformationsfestival mit über 40 Programmpunkten. Veranstaltet wurde es von StartMiUp, dem Innovations- und Startupcampus Mittelhessen in Kooperation mit LOVEDIS und dem Regionalmanagement Mittelhessen, das als Projektpartner und Konsortialführer des TeamMit Transformationsnetzwerkes agiert.